Donnerstag, 25. August 2016

200. Akt

Ich bin zum Grillen eingeladen. Der Gastgeber wohnt im sechsten Stock einer ziemlich schnieken Wohngegend in der Münchner Innenstadt. Die mangelnde Mann-Frau-Kompatibilität hat uns im Laufe der letzten Jahre zu guten Freunden werden lassen und nun sitzen circa sechs Personen auf dem Balkon mit Blick bis zu den Bergen.
Alles toll. Bis auf die Tatsache, dass meine Höhenangst mich ein bisschen verkrampft lächeln lässt. Also zumindest wenn ich da runter schaue. Auf dem Grill rösten geradezu höchst formidable „Fisch-auf-Gemüse-und Kräuter“-Alupakete und ich bin gespannt, wie sich das ganze auf den Tellern machen wird.
Immer wieder beugt sich der Gastgeber über das Balkongeländer, um den Gästen irgendwas zu zeigen. Mich macht das nervös. Zum einen ist er gute 1,90m groß und der Schwerpunkt ist somit etwas diffiziler, was das übers-Geländer-Beugen angeht. Zum anderen ist das Gerät hinter mir ein Gasgrill.
Wenn der Gute da nun runterfällt, weiß doch keiner mehr, wie man das Ding zu bedienen hat.
Mich jetzt alle fünf Minuten an sein Beinkleid zu schmeißen, um für einen gewichtsmäßigen Ausgleich zu sorgen, ist mir dann aber doch zu peinlich.
Irgendwie habe ich für hohe Balkone einfach viel zu viel Phantasie.
Ist nicht erst kürzlich ein Balkon abgestürzt? Irgendwo in Berlin oder Frankfurt? Ich stelle mir den Bericht in der Bildzeitung vor.
Prominente Freundesgang in München sechs Stockwerke abgestürzt. Alle tot. Grill kaputt. Gemüse-Fisch traurig auf dem Pflaster zerschollen.“
Ich sollte das mit dem Wein lassen. Lieber ein Wasser.
Ansonsten treibe ich in meiner Sorge noch alle in das Innere der Wohnung und fordere zum ablenkenden Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel auf.
Als die Fischpakete auf den Tellern verteilt werden, bin ich schon mal froh. Wenn es hier kracht, dann sind wir wenigstens alle satt. Und so lecker, wie das Zeug zubereitet ist, fallen wir alle mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht.
Ähem... ich nehm dann mal meinen Teller und esse drinnen. Dann kann wenigstens einer der Presse erzählen, wie es war, als sich der Balkon aus der Verankerung gelöst hat. Aber aufessen werde ich trotzdem vorher.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen