Sonntag, 7. August 2016

182. Akt

Verdammt, wie viele einsame und liebeshungrige amerikanische Officers gibt es zur Zeit, die in Kabul stationiert sind? Gerade bekomme ich täglich mindestens eine Kontaktanfrage über Facebook. Meine Freundinnen übrigens auch.
Alle haben ein, höchstens zwei Bilder im Profil. Meistens eines, was sie in Uniform zeigt und eines, was sie vor oder zumindest in der Nähe einer amerikanischen Flagge abbildet. Und alle sind verwitwet.
Bin ich bei Facebook gerade alterstechnisch in die Gruppe der bedürftigen Frauen gerutscht? Sind die Töchter verstorbener afrikanischer oder arabischer Könige gerade alle out? Oder haben sie die 130 Millionen Dollar Vermögen nun tatsächlich ohne meine Hilfe ins Ausland transferieren können?
Auch die „Du schön, ich Dich heiraten und glücklich machen“- Ansagen aus afrikanischen oder russischen Gebieten sind komplett abgeebbt. Wo sind wir bloß gelandet? Überall Server voll mit wunderbaren Männern/Frauen, die uns mit nur wenig wirtschaftlicher Unterstützung unsererseits ins Glück führen wollen.


In Gedanken sehe ich den klassischen alten Heiratsschwindler vereinsamt, traurig und verwahrlost in schummerigen Bars vergeblich auf Opfer wartend. Alle potentiellen Kandidatinnen geben die vielen Millionen, die sie mit Geldwasch-Diensten erhalten haben jetzt mit arabischen und russischen Prinzen aus. Keiner will mehr den Edwin vom Eck, der so gut tanzen kann und auch noch andere Qualitäten haben soll. Ja, so wird es wohl sein. Und hin und wieder treffen wir uns dann mit Freundinnen im Kaffee und unterhalten uns über Sergeant Charles Miller, der leider immer noch unbeweibt in den afghanischen Sand weint.

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