Montag, 29. Februar 2016

22. Akt 

Ich fass es nicht! Wie erbärmlich nachlässig kann ich bloß sein? Gerade hab ich mich hingesetzt, um mich zum beinahe vollständigen Wiedereinzug zu beglückwünschen und befinde mich quasi in einem Moment der Konzentrationsschwäche. Schon lange habe ich mit diesen Satz rechnen müssen und dennoch treffen mich die Worte meiner Tochter aus heiterem Himmel. Zu spät um Krankheit, Insolvenz oder Tiefschlaf zu simulieren. Stattdessen antworte ich völlig tiefenentspannt mit einem nachlässigen „Ja, ist okay!“ Und zwar auf die Frage:
„Können wir mal zum IKEA fahren?“
Mit einem „Supi! Ich zieh mir schon mal Schuhe an“ dreht sich Tochterkind um und holt ihre Jacke.
Ganz sanft dämmert mir, worauf ich mich gerade einlasse. IKEA? Bedeutet das nicht, wir schauen nach einem Regal – und letztendlich kommt man mit diversen Bambuspflanzen, Kerzen, Schalen und einem rotglänzendem Couchtisch namens LACK wieder nach Hause? Hat mir IKEA schon mal Spaß gemacht, seit die Kinder zu groß für´s Smalland waren, in dem sie  fröhlich das Bällebad sortierten, während Mami eine große Portion Köttbullar bestellte?
Gibt es noch einen Ausweg?
Ich trotte Tochterkind leise in den Flur hinterher. „Was brauchst du denn?" Tochterkind weicht geschickt aus. „Nur mal so. Jetzt wo mein Zimmer so schön aufgeräumt ist könnten wir vielleicht mal nach einen Teppich schauen. Und vielleicht nach einem neuen Regal.“
Ich suche nach Gegenargumenten. „Wozu ein Regal? Du hast doch die hübsche Kommode.“
„Mama, können wir die Kommode nicht verkaufen?“
Mich trifft fast der Schlag. Die Kommode ist doch quasi noch neu. Denke ich und sage ich auch.
„Mama, das ist mein Wickeltisch!“
Okay, dann ist die Kommode eben nicht mehr ganz so neu. Angesichts der Tatsache, dass Tochterkind nächstes Jahr Abitur macht, hat das Möbelstück schon mehr Zeit hinter sich gebracht, als ich dachte. Gut, dann soll es eben so sein. Ich bin ja nicht doof, denk ich mir. Ich kann ja immer noch "Nein" sagen im schwedischen Möbelhaus. Die vernünftige Manu in mir kriegt gerade einen Lachflash. Ich ziehe meinen Mantel an.
Kurz bevor wir losfahren macht Tochterkind noch eine Entdeckung. „Wir sollten erst die Leergut-Kisten aus dem Kofferraum räumen.“
„Warum?“ (Ich glaube ich klinge gerade ein bisschen verzweifelt.)
„Weil, der Kofferraum leer sein sollte, wenn wir zum IKEA fahren.“

Aaaaarghhhhhhhhhhhhh!!!!!                    

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