Samstag, 27. Februar 2016

19. Akt 

Wo zum Teufel habe ich diese verflixten Schlüssel hin getan? Bevor diese ganze Arbeiterei hier losging, habe ich wohlweislich und mit Bedacht, alle Schränke abgesperrt und die Schlüssel weggeräumt. Warum? Ganz einfach! Damit sie nicht verloren gehen. Ich habe sie irgendwohin geräumt, wo ich sie garantiert wiederfinde. Wo ich einfach nur hin greife und „zack!“ da sind sie. Und dann hab ich vergessen, wo dieser ominöse hundertprozentig unvergessliche Ort ist. Alle meine Standardverstecke hab ich schon dreimal durch. Wenn ich nur nicht so verflixt kreativ wäre in solchen Dingen. Überall auf dem Planeten finde ich anderer Leute Sachen. Wo ist meine Brille? Na dort! Wo ist meine Brieftasche? Schau mal hier! Wo ist meine Freundin? Guck mal in dem Schuhgeschäft da hinten! Anderer Leute Sachen finde ich sofort. Selber Verstecktes taucht frühestens dann auf, wenn ich mal wieder was verstecken will. Ostern gehörte für meine Kinder wahrhaft zu den deprimierendsten Festen des Jahres.
Egal! Ich werde später weitersuchen. In ein paar Minuten muss das Reinigungsteam auftauchen. Drei, vier Kaffeetassen stehen schon neben der Maschine. Gute Laune und Koffein bei der Arbeit sorgen für Durchhaltevermögen.
Ich setze mich einen Moment auf das Sofa und versuche mich daran zu erinnern, wie ich drauf war, als ich die Schlüssel von den Schränken zog. In einem kurzen Impuls schaue ich in den Kamin und unter den Holzstapel. Nee, auch nicht. Wäre ja zu einfach. Es klingelt.
Fröhlich reiße ich die Tür auf. Das Reinigungsteam ist da.
Sie heißt Olga!





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