Mittwoch, 17. Februar 2016

7. Akt

Horst ist pünktlich. Und ich auch. Und ich bin in Stimmung! Den Schraubenzieher, mit dem ich gestern Abend Löcher in die Wand gerammt habe, hab ich ebenso wieder verstaut, wie den Edding, mit dem ich Kreise gezogen habe. Kreise mit großem, schwarzen Kreuz drin.
Nachdem mich mein Hammer und Meißel-Team gestern staubig und sanft hoffend zurückließ, kam ich ins Nachdenken. Waren da nicht auffallend große, noch verputzte Stellen in Bereichen der Wand, wo das Arbeiten weniger Spaß bereitete??
Wieso war da noch ein völlig unbemeißelter Riss im Treppenhaus? Dort, wo das Gerüst nicht hinreichte? Eine ganze Wand im Schlafzimmer war geradezu jungfräulich unberührt von Putzerhand. Die Hoffnung löste sich langsam im grauen Staub auf. 
Ich begann erst zaghaft, dann zunehmen unfröhlich die Wände abzuklopfen.
Was ich bisher gelernt hatte war deutlich. Klingt die Wand nach Wand - alles okay. Klingt sie nach Kokosnuss - nicht okay.
Mit jeder Kokosnuss, die ich fand, wuchs meine Lust Horst, Bernhard, Mustafa und Dimitrij ganz böse Dinge anzutun. So böse, dass ich ihr Ende noch nicht einmal für eines meiner Bücher hätte verwenden können. Bei jeder Kokosnuss malte ich nun mit einem dicken, schwarzen Stift einen Kreis mit einem großen Kreuz.
An die Wand zwei Meter oberhalb des Gerüstes im Flur warf ich, mangels Armlänge einen Lippenstift. Wenn ich dort  Überlebende zurücklasse, werde ich der Firma das Teil in Rechnung stellen. Jeder Fleck, der noch zu bearbeiten war, wurde nun markiert. Edding oder Lippenstift. Scheißegal! Und weil ich schon in Stimmung war, holte ich mir den größten Schraubenzieher, den ich finden konnte.
Jetzt war Kokosnuss-Öffnungszeit!
In jede meiner Markierungen rammte ich ein Loch in den bröselnden Putz. Ja ja... die Jungs sollten ruhig erkennen, dass ich von ihrer Arbeit nicht ganz so begeistert war. 
Aber das war gestern.



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