Donnerstag, 22. Dezember 2016

311. Akt

Na klasse, ich hätte mir auch beide Hände brechen können. Dann wäre erst Mal Essig mit Schreiben. Blöd, wenn man gerne und reichlich schriftlich kommuniziert. Das Berufsbild der Schriftstellerin könnte man dann ebenfalls leicht getrübt sehen. Es sei denn, man verfügt über ein ordentliches Schreibprogram, das akustische Aufnahmen verwurstet. Das habe ich nicht. Aber ich habe ja auch nicht beide Hände gebrochen.
Stattdessen habe ich eine satte Kehlkopfentzündung mit fröhlichen Anteilen der Lunge.
Somit kann ich theoretisch zwar schreiben. Praktisch ist mein Hirn aber ein bisschen vernebelt. Und was das Schlimmste ist: Ich soll nicht sprechen!
Ich! Soll! Nicht! Sprechen! Aaaaaarghhhhhhhhhh!!!!
Das ist, als ob man einer entbindenden Frau sagt:“Nu hör mal auf mit der Hechelei!“
Wie soll ich der Frau an der Kasse erklären, dass der Salat schon welk ist und die Kartoffeln bereits Blüten kriegen?
Und dem Mann mit dem fragenden Blick? Der bestimmt nichts anderes wissen will, als den Weg zu S-Bahn-Station? Oder was mache ich, wenn meine Mutter jetzt anruft? Ich kann mich doch gar nicht wehren?
Wenn sie spitz kriegt, dass ich nix sagen kann oder soll, werden mir alle Verfehlungen meiner Teenager-Zeit auf´s Butterbrot geschmiert. Dann brauche ich nicht nur Antibiotika, sondern einen nervenstarken Therapeuten.
Siedendheiß fällt mir ein, dass ich heute noch den Chef einer PR & Management-Agentur anrufen soll. Das wäre unser erstes Telefonat und ich klinge wie Bambi auf Valium. Nee, das geht nicht. Gibt ja gleich ein völlig falsches Bild. Ich entscheide, ihm erst noch mal eine Mail, bzw. WhatsApp zu schicken. Sonst erwartet er später mal in der Zusammenarbeit einen sanften Hauch und keinen Tornado. Das wäre ein Schreck.
Nicht zu reden ist für mich ein bisschen wie nackig durch die Innenstadt zu laufen. Meine Worte, meine Stimme sind mein Schild. Also in der Regel. Und nun laufe ich schilderfrei herum und kann nur nett grinsen. Mist!
Nun denn, dann geh ich jetzt ins Bett. Dann sollen alle halt mal die ungewohnte Ruhe genießen. Sobald ich wieder fit bin, wird man es hören.

Ganz sicher.   

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