Mittwoch, 26. April 2017

347. Akt

Wie degradiert, demoralisiert oder verunsichert man Menschen in unseren Tagen? Ganz einfach. Man stößt den Widersacher in das Fegefeuer des „ENT-LIKENS“. So scheint es zumindest der ein oder andere zu denken.
Dann wird ein gnädig erteilter Daumen hoch oder ein in der Instagram-Version mit einem Doppel-Klick verteiltes Herzchen eiskalt wieder entzogen.
Gibt es da echt Leute, die dann heulend im Bett liegen und wimmern „Keiner liebt mich“???
In meinem Buch 33 Grausamkeiten – Teil I, gibt es ja so eine ähnliche Geschichte. Als ich selbige geschrieben habe, dachte ich allerdings, dass so etwas bestenfalls in Büchern vorkommt (Also in meinem eben).
Jetzt muss ich feststellen, dass es so manchem erwachsenen Menschen geradezu ein diebisches „dem-hab-ich-es-aber-gezeigt“-Glitzern ins Gesicht treibt, wenn ein Like schnöde zurückgezogen wird.
Und nicht nur das. Sogar wortwörtlich wurde mir mitgeteilt, dass so mancher das als Strafe für hartnäckiges Ignorieren im Internet oder im wahren Leben einsetzt. Auf die Gegenfrage, was denn passiert, wenn der Ent-likte diese entsetzliche Bestrafung gar nicht zur Kenntnis nähme, kommt es noch dicker.
Dann like ich das gleiche Bild oder den Kommentar noch ein paar Mal und ziehe es dann zurück. Dann merkt er/sie/es es sicher!“
Ich bin dann doch ein bisschen fassungslos. Haben diese Typen als Zweitklässler den Kindergartenkindern das Schippchen aus der Hand getreten und sich dabei zum ersten Mal mächtig und weise gefühlt?
Ich kann´s nicht glauben.
Aber wenn ich jetzt mal ein Minütchen Zeit habe, dann kann ich mal kurz meinen Instagram-Account checken.

Oh mein Gott... Hatte dieses Foto vorhin nicht 92 Herzchen? Jetzt sind es nur noch 91. Wo ist die nächste Brücke. Ich kann mit Liebesentzug einfach nicht umgehen.    

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen