Sonntag, 30. Oktober 2016

266. Akt

Die Koffer sind wieder mal gepackt. Erfreulicherweise kann ich in den nächsten Tagen ein paar meiner Lieblingsthemen zusammenbringen. Als da wären „Reisen“, „Fotoshootings“ und „die pädagogische Einflußnahme auf die Erziehung meiner Tochter“. Letzteres ist natürlich Käse, aber es fühlte sich einen Moment lang gut an, diesen Ansatz niederzuschreiben.
Morgen fliegen Kind 2.0 und ich nach London. Gleich in der Früh geht es los. Nach der Landung in Heathrow bringt uns ein Shuttle in unser Hotel ins Stadtzentrum. Das mit dem frühen Aufstehen ist morgen so schwer nicht. Heute Nacht werden die Uhren zurückgestellt. Das heißt wir brauchen nicht vollständig auf den Nachtschlaf zu verzichten. Ich überlege ein bisschen, ob sich mit der Umstellung auf die Winterzeit, an exakt diesem Tag, für uns überhaupt irgendetwas verschiebt. England ist ja schließlich ohnehin eine Stunde zurück. Eigentlich müsste doch... ach egal. Ich bin ja schon froh, dass ich nach all den Jahren raus habe, in welche Richtung es im Frühling und im Herbst zeitlich überhaupt geht.
Ich packe ein paar Basics ein. Eigentlich ist für uns beide alles vor Ort. Hair- und Make up Artist, Stylist und so weiter. Aber da bin ich vorsichtig.
Seitdem vor ein paar Jahren ein italienischer Stylist die Angabe meiner deutsche Konfektionsgröße 38 für eine italienische gehalten hatte, bin ich etwas traumatisiert. Er hatte nicht bedacht, dass eine deutsche Konfektion mit der italienischen keineswegs konform geht oder auch nur ähnlich groß ist. So sah ich mich dann lauter hübschen Dingen in der deutschen Größe 34 gegenüber. Das heißt, dass ich in die Kleider durchaus hineinpasste. Allerdings nur mit einem Bein. Das soll mir nicht nochmal passieren.

Meinen Computer nehme ich natürlich auch mit. Ich kann´s ja nicht drauf ankommen lassen, dass sich meine Leser in einer Blog-freien Zeit völlig entwöhnen. Nee, das kann ich wirklich nicht riskieren. Und nun off to Great Britain. Das mit dem Brexit können die ja dann machen, wenn wir wieder weg sind.

Samstag, 29. Oktober 2016

265. Akt 

Heute ist: Tadaaaa! Wieder Lesung. Allerdings kann ich dieses Mal meine Brille und den Bücherkoffer Zuhause lassen. Mein Kollege Francisco Jacob präsentiert nämlich sein Buch. Also keine 33 Grausamkeiten in rotem oder schwarzen Einband, sondern einen Krimi mit dem Namen "Tod in der Höhle".
Eigentlich stehe ich nicht so auf Titel, die gleich mal ansagen wo denn nun gestorben wird, aber hier passt es einfach. Vor ein paar Wochen habe ich das Buch unter der mallorquinischen Sonne gelesen. Und heute höre ich es mir eben an.
Ich kenne Autoren, die es einfach nicht ertragen, wenn Kollegen etwas gut oder gar besser machen. Damit habe ich glücklicherweise kein Problem. Francisco hat und macht nämlich Ortsbeschreibungen in seinem Buch, die ihresgleichen suchen. Er beschreibt eine Stelle in Asturien und, Zack! hat man das Gefühl, man steht neben den Protagonisten und schaut, mit Sonne im Nacken, auf den Tatort. Das ist - zumindest in meinem Kurzgeschichten-Bänden - etwas anders. Aber wer möchte schon gefühlsmäßig mit am Esstisch sitzen, wenn ein Ehepaar am Gasofen seinen letzten Atemzug tut, oder sich im Graben neben einer sich in Schändung befindlichen Leiche wiederfinden? Dann lieber Asturien in all seinen Facetten.
Die heutige Lesung findet in den Räumen einer Schuhmanufaktur statt. Bevor es losgeht, sorge ich mich, ob die anderen Zuhörer ähnlich Schuh-affin sind wie ich und die Lesung dadurch beeinträchtigt wird. Aber Francisco hat alles im Griff. Die rund fünfzig Zuhörer verfolgen die Geschichte gebannt und auch ich schaffe es, das durchaus ansprechende Schuhwerk für die nötige Zeit zu ignorieren. Nach dem Vortrag geht es noch auf ein paar Drinks in eine Bar. Die Gruppe hat sich deutlich verkleinert, aber die Stimmung ist prima. Da sag einer nochmal, dass Bücher langweilig und Autoren dröge sind. Alles Käse. Ich freue mich über den Erfolg meines Kollegen.
Und wer weiß, was die Zeit bringt. Vielleicht schreiben wir irgendwann mal gemeinsam was mit dem Titel "33 Grausamkeiten in der Höhle" und lesen dann abwechselnd. Wie auch immer. Ich liebe Bücher und Lesungen. Und zwar auch dann, wenn es nicht meine eigenen sind.


Freitag, 28. Oktober 2016

264. Akt

Ich fass es nicht. Vor allem fass ich es nicht, dass es mir schon zum zweiten Mal passiert. Ich spiele mittlerweile selten, aber höchst fortschrittlich online, aber zu übersehen ist es auch ohne Papierschein nicht. Das Lotto-Debakel. Ich hätte quasi sechs Richtige. Hätte. Wenn ich alle Kreuze eine Position weiter links gemacht hätte.
Genau dasselbe ist mir schon vor ein paar Jahren passiert. Mann, war ich deprimiert.
Alle meine monitär erwerbbaren Wünsche rücken damit eine Stelle nach links und somit aus meinem Sichtfeld.
So. Und was soll ich jetzt machen? Stets drei Lottoschein ausfüllen? Einen mit den eigentlichen Wunschzahlen und dann noch zwei mit jeweils einer nach rechts und links versetzten Variante? Abgesehen davon, dass ich dann bald nen Kredit aufnehmen muss, um das Gedöns so lange weiter zu treiben, bis es kein "weiter rechts" oder "weiter links" mehr gibt, wird das eh nix. Außerdem vergeht mir dann der Spaß. Dann artet die Kreuzerei nämlich in Arbeit aus. Und mit Arbeit verdiene ich ohnehin mein Geld. Wo bleibt denn dann die Überraschung und der Nervenkitzel?

Ich glaube, ich höre jetzt mal wieder auf mit dem Glücksspiel. Also zumindest für ein paar Wochen. Oder eben bis Samstag. Da klappt es dieses Mal nämlich garantiert. Hoffe ich.

Donnerstag, 27. Oktober 2016

263. Akt

Ist mir völlig wurscht, ob jemand sagt, ich sei selber schuld. Ich will die modernen, kabellosen Dinger nicht. Wenn man sie benutzt, dann sieht man immer ein bisschen ferngesteuert aus. Und benutzen muss man sie. Zumindest beim Auto fahren. Ich rede natürlich von Headsets. Meines neigt stets, immer und überall dazu, sich gnadenlos zu verheddern. Mir ist klar, dass die kabellosen Geräte mich auf Anhieb von meinem Problem befreien würden, aber ich ich mag es nicht. Hat so was Terminator-mäßiges. Fehlt nur noch die verspiegelte Brille und ein etwas abgehackter Gang. Und zack! Alles Humanoide ist flöten.
Im Gegensatz dazu, kann ich beim mobilen Telefonieren immer mit dem Kabel spielen, bzw. darauf deuten, wenn jemand sich fälschlicherweise angesprochen fühlt. Wenn ich auf mein Kabel weise, dann wissen alle „Aha, sie telefoniert.“
Wenn ich während des Telefonierens aber auf ein verschwindend kleines Gerät in meinem Ohr tippe, dann meinen alle, ich habe einen Vollschatten, ein Problem mit meinem Hörgerät oder ich würde ihnen einen Vogel zeigen.
So lange ich das Kabel spüre, ist mir bewusster, dass ich telefoniere. Das muss man nicht verstehen, ist aber so. Ohne Kabel würde ich in Gesprächspausen vermutlich vergessen, dass ich gerade noch kommuniziere und mich immer wieder erschrecken, wenn das Gespräch fortgesetzt wird.
Der Nachteil vom verkabelten Telefonieren ist allerdings das Kabel selbst.
Ich kann mein Headset völlig entwirrt und sanft aufgewickelt in meine Handtasche legen. Wenn ich es nur dreißig Sekunden später wieder herausnehme, sieht es aus, als hätte jemand versucht, eine Mausefalle daraus zu klöppeln. In meiner Handtasche. Mit dünnem, weißen Kabel.
Meine Handtasche ist in der Regel nicht bewohnt und dennoch wird, ohne mein Zutun, Copperfield-mäßig, ein kaum zu entwirrendes Kunstwerk aus meinem Headset gebastelt.
Manchmal schmeiße ich das Ding rein, lasse die Tasche offen und schaue, was passiert. Stets werde ich enttäuscht. Erst, wenn ich die Tasche für einen Moment schließe oder – noch viel besser - wenige Meter transportiere, geschieht das Phänomen. Ein kleiner, weißer Klumpen liegt dort, wo gerade noch ein zartes Kabel sich zwischen Kopfhörern und Stecker spann.
Aber was soll´s? Ich betrachte es mittlerweile als Beschäftigungstherapie und plane vor Telefonaten eben zwei Minuten Vorbereitungszeit ein.
Oder ich halte das Gerät, völlig oldschool, direkt ans Ohr.
Allerdings nicht beim Autofahren.


Mittwoch, 26. Oktober 2016

262. Akt

Wer hat gepetzt? Ich kriege zur Zeit auffällig häufig Werbung für Treppenlifte und Produkte, die mir das Leben im Alter erleichtern sollen.
Schicke Rollatoren und Pflegeprodukte für den Menschen jenseits der "ich bau ein Haus, pflanz´ nen Baum und Zeug ein Kind-Grenze".
Sogar auf die Möglichkeit, selbst jetzt noch eine Versicherung abzuschließen, die meine Bestattung nach meinen Wünschen abdeckt, werde ich hingewiesen.
Das ist nicht schlimm. Immerhin halb so irritierend wie die Angebote für Mittel, die mir helfen sollen, meine Erektion länger halten zu können.
So Zeug bekam ich nämlich ebenfalls vor nicht allzu langer Zeit.
Irgendwann habe ich spaßeshalber zurückgeschrieben, dass das mit meiner Erektion einfach nix wird. Ich könnte schlucken was ich will, da regt sich nichts. Selbst in den engsten Leggings würde sich nichts abzeichnen.
Irgendein Mensch, der sich mit meinem Problem befassen musste, hörte nicht auf mir Mut zu machen. Ich habe mich gar nicht mehr eingekriegt.
Zum Schluss habe ich überlegt, ob ich mit einem „Socken-in-der-Hose“-Foto für Beruhigung sorgen sollte. Alternativ hätte es auch ein Aubergine oder Riesenzucchini getan. Allerdings hätten sie die kopflos-Bilder dann womöglich für Werbezwecke verwendet, und das wäre nun für alle echten Interessenten eine böse Enttäuschung geworden.
Nun soll es also der Lifta-Treppenlift sein. Der soll mich sicher und bequem nach oben in den ersten Stock bringen, wenn ich es nicht mehr selber hinkriege.
Im großen und ganzen völlig unnötig. Selbst auf vierzehn Zentimeter-Absätzen schaffe ich hier noch Bestzeiten. Vermutlich würde ich nachts nur in schlaftrunkenem Zustand über den ausgeklappten Sitz fliegen und mir dann beide Beine brechen. Ja, dann bräuchte ich natürlich so ein Ding.
Aber ich verzichte dann doch lieber im vornherein.
Bettschutzeinlagen und faltbare (!) Gehstöcke werden mir ebenfalls vorgeschlagen. Und Sitzerhöhungskissen, die vermeiden sollen, dass ich so tief auf meinem Sofa einsinke, dass ich ohne fremde Hilfe nicht von meiner Couch komme.
Mann, mann, mann... wie unterhaltsam und altersgerecht war es, als täglich irgendwelche afrikanischen oder arabischen Prinzessinnen, amerikanische Offiziere oder reiche ausländische Anwälte auf meine Hilfe in Sachen Millionen-Transfers angewiesen waren?
Haben die irgendwo mein Geburtsdatum falsch gespeichert? Mein Geschlecht? Meine vollständige Identität?
Die zahlreichen Angebote lassen mich kopfschüttelnd auf „alle Nachrichten löschen“ drücken.
Wobei... so einen Treppenlift könnte ich ja auch für Lasten oder Wäschekörbe benutzen.

Und zu guter Letzt könnte ich damit dann wenigstens behaupten, dass ich Dank der modernen Technik quasi problemlos „einen hoch gebracht hätte.“ 

Dienstag, 25. Oktober 2016

261. Akt 

Ich bin im Auto unterwegs. Das bin ich gern, oft und meist problemlos.
Es ist nach Mitternacht, und ich bin ein bisschen müde. Kurz vor dem Prinzregententunnel sehe ich zwei Streifenwagen. Mir wird kurz ein bisschen heiß. Nicht, weil ich auf Uniformen stehe, nein, irgendwie habe ich noch den selben Respekt vor der Polizei, wie als Neunjährige. Wann immer ich angehalten werde, bekomme ich einen Schweißausbruch und werde ein bisschen hektisch. Selbst dann, wenn der Beamte mich nur nach der Zeit oder meiner Handynummer fragen will. Alles schon passiert. Auf der Suche nach Führer- und Fahrzeugschein fällt mir dann gerne mal alles runter oder ich begreife nicht, was gemeint ist, wenn gefragt wird, wo ich herkomme.
In der Regel wollen sie ja nur wissen, wo man GERADE herkommt. So viel habe ich ja mittlerweile raus. Früher habe ich da immer ein bisschen ausgeholt. Also nach dem Motto: „Mein Vater kommt aus Ghana und meine Mutter aus Deutschland. Geboren bin ich aber in Leipzig. Eingeschult wurde ich...“ Spätestens dann wird immer erklärt, dass sich die Frage auf den Startort dieser Fahrt bezieht.
Die beiden Polizeiwagen biegen nach rechts ab, und ich kriege das rhythmische Ein- und Ausatmen wieder hin. Der Abend geht mir durch den Kopf. Ich hatte eine Freundin besucht. Wir haben stundenlang Probleme gewälzt. Aber auch viel gelacht. Und jeder hat ein Glas Wein getrunken. Mehr nicht.
Ich verlasse die Autobahn und fahre weiter. Ab hier muss ich nur noch zwei Mal abbiegen, dann bin ich Zuhause. Und da seh ich ihn. Während ich nach links einschere, kommt mir ein hübscher BMW entgegen. Zwei Männer sitzen drin. Beide Herren schauen rüber. Ich grinse zurück. Und dann fällt mir die Deko des Wagens auf. „Polizei“ steht drauf. Ich muss schlucken.
Manchmal spürt man ganz genau, was passieren wird. Es sind nur noch etwa zweihundert Meter, bis ich in meine heimatliche Sackgasse einbiegen kann. Vorsichtig schaue ich in den Rückspiegel.
Yepp! Sie wenden. Was soll ich tun? Vollgas links rein, ab in die Garage und Tor zu? Und dann warten, bis sie wieder weg sind?
Blöde Idee. Zum einen muss ich einmal rangieren, um in die Garage zu kommen und zum anderen brennt da immer noch recht lange ein verräterisches Licht. Und warum sollte ich überhaupt verschwinden? Ich fahre doch keinen Fluchtwagen.
Zum Zurücksetzen komme ich gar nicht mehr, denn der BMW steht nun direkt hinter mir.
Klar, denke ich. Die müssen denken, dass ich vor ihnen abhauen wollte und deswegen in die nächste Straße gebogen bin.
Ein junger Mann kommt zum Auto. Einatmen. Ausatmen. Vielleicht doch bloß die Handynummer???
Er fragt nach meinem Führerschein. Versehentlich gebe ich ihm erst mal meinen Presseausweis. Er macht mich darauf aufmerksam und ich laufe vor Scham rot an. Okay, das wird er kaum erkennen. Ist mitternächtlich finster draußen und seine Lampe ist schwach.
Ich gebe ihm den Führerschein. Dann fragt er, wo ich herkomme. Einen Moment denke ich über meinen Stammbaum nach. Dann antworte ich aber klug und richtig mit „Aus der Stadt“. Die nächste Frage liegt auf der Hand. „Haben sie was getrunken?“
Auch hier könnte ich ausholen und erklären, wie viel man trinken muss, wenn man was für seine Nieren tun will. Aber ich glaube nicht, dass er das wissen will.
Ehrlich antworte ich mit „Ein Glas Wein. Zirka 200 Milliliter. Vor zweieinhalb Stunden.“ Ja! Ich bin halt explizit.
„Dürfen wir einen Alkoholtest machen?“
„Wollen Sie denn?“ Nun muss ich etwas grinsen. Mir fielen jetzt zwanzig blöde Sprüche ein, die ich machen könnte. Aber der Beamte ist vielleicht müde und nicht ganz so gut drauf.
„Ja!“
„Kein Problem.“
Während er das Blase-Dingens holt überlege ich, ob ich wirklich nur ein Glas Wein hatte. Was wenn ich mich irre und unterwegs noch eine halbe Flasche Wodka und drei Cocktails zu mir genommen habe und nun bloß zu betrunken bin, um mich zu erinnern?
Ach Quatsch. Der Mann reicht mir das Gerät und puste tapfer hinein.
Er schaut auf die Anzeige. Einatmen.
„Alles okay.“ sagt er.
Ausatmen und lächeln. Ich bin beruhigt. Kein temporärer Gedächtnisausfall auf den letzten Kilometern.
„Wohnen Sie hier?“
„Klar!“ sage ich. Siehste, die dachten ich wollte abhauen und bin versehentlich in dieser Sackgasse gelandet.
Er schaut auf´s Haus, dann wieder zu mir, wünscht mir einen schönen Abend und geht zurück zum Auto. Kaum sind sie losgefahren setze ich zurück um den Wagen in die Garage zu bugsieren. Da hält der BMW wieder an und der Mann steigt aus.
Uff. Wieder Schweißausbruch. Was ist passiert? Hat sich die Anzeige im Wagen noch verändert und ich bin in Wirklichkeit komplett fahruntüchtig??
Er lächelt und reicht mir meinen Führerschein.
„Den hab ich vergessen.“
Einatmen. Ausatmen.
„Danke schön.“
Dann sind sie weg.

Montag, 24. Oktober 2016

260. Akt

Mädels, fragt mich niemals, ob ich nicht einen passenden Mann für euch hätte. Weder einen für die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, noch für den Rest eures Lebens. Wenn ihr euch aber mal so richtig unglücklich machen wollt, dann bin ich sicherlich in diesen Beratungsdingen die Richtige. Alles, was ich anbahne hat eine Überlebenszeit von einer Nacktschnecke im Salzbad. Ich bin ein lausiger Amor und eigentlich dürfte ich am Valentinstag noch nicht mal mein Zimmer verlassen. Und dennoch begehe ich hin und wieder den Fehler zu glauben, dass Person A vielleicht doch ganz wunderbar mit Person Ü zusammenpassen könnte.
So auch dieses Mal. Ich werde über WhatsApp angefunkt. Da schreibt ein mir bekannter Mann, dass er eine Freundin von mir gesehen hätte. Er schreibt so ehrlich und nett, dass ich tatsächlich glaube, er meint es ehrlich und nett. Während mein Hirn schreit: „Nein! Manu! Lass es bleiben! Du kennst ihn nicht gut genug!!!“, geht mein Herzchen in den Amor-Modus.
Ich schreibe zurück, dass es sich bei der Frau um einen wundervollen Menschen handelt. Innen und außen schön, liebenswert, fröhlich und einfach toll.
Er schreibt ein bisschen geknickt zurück, dass er wohl keine Chancen sieht sie kennenzulernen. Und Zack! Stehe ich mit beiden Beinen im Beton. Ich telefoniere mit ihr, schreibe mit ihm und stelle den Kontakt her. Ihm gebe ich noch recht unverblümt mit auf den Weg, was ich mit ihm mache, wenn er krumme Dinger plant. Wörtlich klingt das so „Brich ihr das Herz und ich brech dir deinen Hals!“ Er lacht und beschwört seine Aufrichtigkeit. Sie beginnen miteinander zu telefonieren, lernen sich über mehrere Tage hinweg kennen und ich denke mir „Läuft! Wo ist mein Brautjungfernkleid?“
Dann bekomme ich eine Nachricht von meiner Freundin. Nach all den schönen Momenten meldet er sich nicht mehr. Ich frage, ob er vielleicht gerade komatös im Krankenhaus, eingeäschert auf dem Friedhof oder entführt in irgendeinem dunklen Keller liegt. Irgendetwas, das sein Verhalten erklären könnte. Aber nein. Alles auf seiner Seite scheint wie gewohnt zu laufen. Außer, dass er von jetzt auf gleich kein Interesse mehr an Anstand und Charakter zeigt. Also an seinem eigenen Anstand und Charakter. Meine Freundin erklärt mir, wie die letzten Tage und Nachrichten und Telefonate gelaufen sind. Alles bestens. Außer, dass er gleich nach seiner letzten Liebesnachricht und dem Wunsch sie noch viel näher kennenzulernen den Kontakt eingestellt hat.
Ich bin fassungslos. Das hätte ich im Leben nicht gedacht.
Kein „Sorry, aber ich habe mich geirrt“ oder ein „Bin wieder bei meiner Ex-/ meiner Freundin/meiner Lebensberaterin“. Noch nicht mal die flache und völlig hirnrissige „Es liegt an mir und nicht an dir“-Phrase wird mitgeteilt. Er liest ihre Nachrichten nicht mal mehr. Er spielt das Opossum und stellt sich tot.
Das Ende vom Lied. Er hält sich geschlossen und zieht begattungsfreudig weiter durchs Land, sie ist enttäuscht und verletzt, und ich bin stinksauer. Wie hatte ich ihm doch eingangs gesagt? „Wenn du ihr weh tust, dann brech ich dir das Genick.“?
Tja. Da hält mich ja sogar meine Freundin zurück. Das ist strafbar und befriedigt mich nur sehr kurzfristig, sagt sie. Und da hat sie leider Recht. Noch nicht mal versehentlich auf´s Gas treten darf ich, sagt sie. Also lass ich es sein.
Als Amor habe ich wieder mal kläglich versagt.

Ich habe meine Pfeile jetzt eingemottet und den Bogen an die Nachbarskinder verschenkt. Wenn irgendwann mal wieder ein Kerl ums Eck kommt und sich für eine meiner Freundinnen interessiert, bloß weil er was für sein schmächtiges Ego braucht, dann brauch ich keinen Amorbogen. Dann langt ein Kleinkaliber.